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June
2026

Zwei Babys im Bauch - eine Zwillingsgeburt

Eine Schwangerschaft mit Zwillingen ist immer etwas Besonderes. Zwei Babys wachsen gleichzeitig im Bauch, zwei kleine Persönlichkeiten bereiten sich auf ihren Start ins Leben vor. Oft ist eine solche Schwangerschaft auch mit vielen Fragen und medizinischen Empfehlungen verbunden. In diesem Fall wurde der Mama mehrfach gesagt, dass die Zwillinge spätestens in der 38. Schwangerschaftswoche eingeleitet werden müssten. Doch ihre Werte waren hervorragend und beide Babys entwickelten sich im Bauch wunderbar. So durfte sie bis zum errechneten Termin schwanger bleiben.

Der Abend vor dem geplanten Geburtstermin

In der Schwangerschaftswoche 39 6/7 – einen Tag vor dem geplanten Einleitungstermin – telefonierten Verena, die verantwortliche Hebamme aus dem Team von Baby im Bauch, und die werdende Mama um 18:35 Uhr miteinander. Sie besprachen den Ablauf des nächsten Tages: Wann sie im Spital eintreten würde, wie der Start aussehen könnte und welche Fragen noch offen waren. Das Gespräch endete mit viel Zuversicht.

Nur zwei Stunden später klingelte erneut das Telefon: Die ersten Wehen hatten begonnen.

Noch war alles ruhig und es wurde vereinbart, dass sie sich wieder meldet, sobald die Wehen regelmässig werden. So durfte sich Verena noch (kurz) unter die Bettdecke legen und die bald benötigte Energie tanken. Etwa eineinhalb Stunden später rief der werdende Papa an – jetzt war klar:

Es geht los

Sofort machten wir uns auf den Weg nach Interlaken - jeder in seinem eigenen Auto. Während der Fahrt informierte Verena das Hebammen- und Ärzteteam im Spital Interlaken. Dort war bereits alles vorbereitet.

Ein besonders schönes Detail: Genau dieselbe Ärztin, welche bei einer spontanen Zwillingsgeburt vor einem Jahr Dienst hatte, war auch heute wieder im Einsatz.

Verena rief auch Erika an, eine weitere Hebamme von Baby im Bauch, um bei der Geburt im Spital Interlaken zu unterstützen. Mit der nötigen (erlaubten) Geschwindigkeit machte auch sie sich auf den Weg.

Unterwegs standen wir weiterhin in Kontakt mit den werdenden Eltern. Über die Gegensprechanlage erkundigten wir uns regelmässig, wie es der Mama ging – und stellten fest, dass wir praktisch hintereinander auf der Autobahn unterwegs waren.

Die Geburt beginnt

Im Spital angekommen, treffen wir aufeinander und gehen strammen Schrittes (die werdende Mama im Rollstuhl) zur Geburtenabteilung. Dort wurden zunächst die Herztöne kontrolliert, ein Venflon gelegt und Blut abgenommen. Doch schnell wurde klar: Die Geburt war bereits weit fortgeschritten.

Während der Wehen blieb die Mama meist stehen oder sass und hielt sich an den Händen der Hebamme fest. Die Wellen waren intensiv, tief und kraftvoll.

Jetzt kommt das Team nochmals kurz vor der Tür zusammen und bespricht die Verantwortlichkeiten für die nächsten Schritte.

Zwei neue Erdenbürger in zwölf Minuten

Nach knapp einer Stunde schlug Verena vor, sich einmal auf die Seite zu legen.

Und dann ging alles schnell. Die erste Schiebewelle kam – und wir sahen bereits die Fruchtblase.

Nur zwei Wellen später wurde um 23:25 Uhr das erste Mädchen geboren – in der Glückshaube. Der Damm blieb intakt. Die Kleine begann sofort zu schreien und durfte auf die Brust ihrer Mama.

Aber da wartet ja noch jemand: Per Ultraschall bestätigten wir, dass auch das zweite Baby korrekt mit dem Kopf nach unten im Bauch lag.

Sieben Minuten später – ganz ohne künstliche Wehenunterstützung – begann bereits die nächste Welle. Die Mama sagte liebevoll zu ihrer neugeborenen Tochter:

"Jetzt musst du zu Papa, damit ich mich konzentrieren kann."

Um 23:37 Uhr wurde das zweite Mädchen geboren. Kurz zuvor war die Fruchtblase von selbst geplatzt. Auch sie kam kräftig zur Welt und fand sofort ihren Platz auf der Brust der Mama. Wie ihre Schwester hatte sie einen wunderbaren Apgar-Wert und auch die pH-Werte des Blutes waren physiologisch.

Ein besonderer Moment für alle

Für die Geburt der Plazenta liessen wir vorsorglich eine Infusion mit Oxytocin laufen. Auch nach der zweiten Geburt blieb der Damm intakt – besonders bemerkenswert, da die Mama bei ihrem ersten Kind (heute 3,5 Jahre alt) einen Dammriss 3. Grades erlebt hatte.

Die beiden Mädchen wogen fast gleich viel:

  • 3'050 Gramm
  • 3'010 Gramm

Was für eine wunderschöne Zwillingsgeburt.

Wir bedanken uns von Herzen bei der Familie für das Vertrauen in unser Hebammenteam. Ebenso beim Team des Spitals Interlaken für die ruhige und vertrauensvolle Zusammenarbeit, bei Erika für ihre wertvolle Unterstützung und bei allen Menschen im Hintergrund, die diese Geburt begleitet haben.

Wieder einmal zeigt sich ganz deutlich: Wenn Vertrauen, Erfahrung und Zusammenarbeit zusammenkommen, entstehen Geburtsmomente, die lange in Erinnerung bleiben.