
Manchmal ist der richtige Weg nicht jener, den alle gehen. Manchmal braucht es Mut, sich für eine neue Richtung zu entscheiden. Mela Sigrist kennt beides. Bevor sie Hebamme wurde, gehörte ihre grosse Leidenschaft dem Sportklettern – und zwar auf Spitzensportniveau. Für ihren heutigen Beruf hängte sie diese Laufbahn schliesslich an den Nagel.
Vielleicht gibt es aber mehr Gemeinsamkeiten zwischen Spitzensport und Hebammenarbeit, als man zunächst vermuten würde: volle Konzentration im entscheidenden Moment, Ausdauer, Vertrauen und die Fähigkeit, auch in anspruchsvollen Situationen ruhig zu bleiben und den richtigen Weg zu finden.
2013 begann Mela ihr Bachelorstudium zur Hebamme an der Berner Fachhochschule Gesundheit, das sie 2017 abschloss. Bereits vor und während ihrer Ausbildung sammelte sie Erfahrungen in unterschiedlichen Geburtssettings – unter anderem in zwei Geburtshäusern sowie verschiedenen Spitälern.
Nach ihrem Abschluss arbeitete sie zunächst auf der Wochenbettstation der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Bern und anschliessend mehrere Jahre im Spital Emmental in Burgdorf. Parallel dazu vertiefte sie ihre Erfahrung in der freiberuflichen Hebammenarbeit und begleitete Frauen und Familien zunehmend über den gesamten Betreuungsbogen hinweg.
Heute ist Mela Teil des Teams Geburtsbegleitung bei Baby im Bauch. Sie begleitet Frauen und Familien während der Schwangerschaft, bei der Geburt im Spital Interlaken oder im Geburtshaus am Mülibach sowie im ambulanten Wochenbett. Dabei zeichnet sie ihre ruhige, genaue und einfühlsame Art aus – und ein besonders feines Gespür für die Babys im Bauch. Und wenn sie mitfühlt und mitfiebert, verraten ihre roten Backen manchmal mehr als tausend Worte.
Für Mela gehört zum Hebammen-Sein auch, immer wieder dazuzulernen. Seit Beginn ihrer beruflichen Laufbahn hat sie zahlreiche Weiterbildungen besucht – von Pränataldiagnostik über Schwangerschaftserkrankungen und ausserklinische Notfallsituationen bis hin zu Kommunikation und Reanimation. 2024 absolvierte sie zudem in Neuseeland eine Ausbildung zur Meditation- und Pranayama-Lehrerin. Ein wichtiger Meilenstein war auch die Weiterbildung zur Praxisausbildnerin sowie die Ausbildung «Traditionelle Lehre der Hebammen- und Entbindungskunst», die sie aktuell besucht.
Besonders fasziniert Mela, wie unterschiedlich Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett in verschiedenen Teilen der Welt begleitet werden. Ihr grosser Traum wäre deshalb eine «Hebammen-Weltreise». Denn während der menschliche Körper überall sehr ähnlich funktioniert, unterscheiden sich der Umgang mit Schwangerschaft und Geburt und die jeweilige Geburtskultur teilweise stark.
Am liebsten würde Mela aus diesen unterschiedlichen Ansätzen das Beste zusammentragen und daraus eine «Best of Geburtskultur» entwickeln. Erste Einblicke hat sie bereits gesammelt: Der Austausch mit Hebammen aus Guatemala, England, Neuseeland und Australien hat ihren Blick auf ihren Beruf bereichert.
Wenn Mela nicht als Hebamme unterwegs ist, zieht es sie oft nach draussen. Frische Luft, Sonne und die Farben der Natur sind für sie der ideale Ausgleich. Beim Wandern, beim Entdecken neuer Orte und Routen, beim Übernachten in einer Berghütte oder bei einem Sprung in einen erfrischenden Bach – so kann sie richtig auftanken.
Überhaupt ist Bewegung ein wichtiger Teil ihres Lebens. Biken, Yoga, Langlaufen oder Joggen gehören genauso dazu wie das Ausprobieren neuer Sportarten. Vor und während der Ausbildung zur Hebamme war Mela ausserdem als Kursleiterin in verschiedenen Kletterzentren im Kanton Bern tätig.
Daneben hat Mela eine kreative Seite. Sie bastelt, häkelt und näht gerne oder restauriert Möbel – auch wenn dafür im Alltag manchmal weniger Zeit bleibt, als sie sich wünschen würde.
Mela mag Farben, schäumende Bäche und das Meer, Pflastersteine in kleinen Dörfern und das Schwimmen in der Aare. Sie liebt verschiedene Sprachen und interessiert sich für die Geschichten von Menschen.
Freude machen ihr auch liebevoll gestaltete Orte und Dinge: ein herzlich eingerichtetes Café, ein schön gedeckter Tisch oder etwas mit Sorgfalt Gestaltetes. Und wer Mela eine besondere Freude machen möchte, muss es gar nicht kompliziert machen: Für sie ist es eines der schönsten Geschenke, zum Essen eingeladen zu werden. Besonders gerne geniesst sie regionale, saisonale und gesunde Küche.
Diese Freude an Menschen, Bewegung, neuen Erfahrungen und den kleinen Details passt zu der Art, wie Mela auch ihren Beruf lebt: aufmerksam, neugierig und mit einem feinen Gespür für das, was gerade gebraucht wird.
Schön, bist du da, Mela.